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Montagsdemo 17.11.08 Merckle Kapitalismus Redebeitrag Jupp Frerkes Am vergangenen Samstag hatte die Südwestpresse einen der hundert reichsten Männer der Welt heiliggesprochen. Adolf Merckle, seines Zeichens Konzernherr über 100.000 Arbeiter in Zement-, Pharma-, Pistenbully und vielen anderen Betrieben mit über 30 Milliarden Umsatz. Er hat sich nach den Worten der SWP aus kleinkapitalistischen Verhältnissen "mit ungeheurer Schaffenskraft, fleißig, klug und bescheiden" (SWP) zum vielfachen Milliardär „hochgearbeitet“ und jetzt steht alles auf dem Spiel?. Der arme Adolf.
Rätselhaft, wie kriegt man so was hin? Tatkräftig, fleißig, klug und bescheiden – das sind viele von uns - es muss wohl was anderes sein. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) schreibt, dass sich der 74-Jährige Unternehmer mit Aktiengeschäften verzockt hat. Die Rede ist von Verlusten in Milliardenhöhe innerhalb der vergangenen Wochen. Der Spiegel sagt’s etwas genauer: Die jüngsten Kurskapriolen der VW-Aktie fordern offenbar ein prominentes Opfer. Adolf Merckle. Das "Handelsblatt" berichtet unter Berufung auf mit den Umständen vertraute Personen, dass eine Gruppe von rund 40 Banken nun darum ringt, eine Kreditvereinbarung zu erzielen, um die von Merckle beherrschte VEM Vermögensverwaltung GmbH mit Sitz in Dresden zu unterstützen. Im Zuge der Rettungsaktion wird offenbar auch die Veräußerung von Ratiopharm diskutiert. Möglicherweise könnte Merckle durch den Verkauf bis zu fünf Milliarden Euro erlösen. Die Wirklichkeit korrigiert also den Heiligenschein der SWP: Adolf Merckle ist demnach ein Spekulant und Börsenzocker, er verzockt die Arbeitsplätze und die Existenzgrundlage der Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben. Dazu passen die kriminellen Machenschaften, mit denen eine seiner Firmen Apotheker und Ärzte bestach – das ist organisierte Korruption, für die er bzw sein Konzern mehrfach angeklagt, aber nie bestraft wurde. Da passt es auch, das Adolf Merckle sich als Förderer und Führungsmitglied der rechten Kaderschmiede Weikersheim engagierte. Man kann die Liste fortsetzen. Das alles kennzeichnet einen knallharten, raffgierigen Kapitalisten, und der wird sich wohl, wie seinesgleichen, aus dem 500 Milliarden Euro-"Schutzschirm" der Regierung bedienen. Rätselhaft? Oder doch eher nicht? Warum die CDU-SPD Regierung plötzlich 500 Milliarden für die Spekulanten aus dem Ärmel schütteln kann und für Soziales, Bildung, Gesundheit, Daseinsvorsorge kein Geld da ist bzw immer mehr eingespart werden muss?! Es reicht! Wer braucht schon eine solche Regierung? Wer braucht überhaupt Kapitalisten? |